Die heilige Cäcilie

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Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik

Heinrich von Kleist
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mit David Franke Orgel & Till Krabbe Sprecher

Heinrich von Kleists Novelle „Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“ erschien 1810. Den historischen Hintergrund für die Erzählung bietet ein reformatorischer Bildersturm in den Niederlanden, bei dem radikale Calvinisten im August 1566 über 400 Kirchen verwüsteten.

Kleist berichtet in seiner Erzählung vom Vorhaben von vier Brüdern aus Holland, die den Plan verfolgen, den Aachener Dom und das nahe gelegene Kloster der heiligen Cäcilie zu verwüsten. Kleist erzählt von einem Wunder, das ausgelöst durch die Gewalt der Musik im Aachener Dom im 16. Jahrhundert stattfand.

Was ist das Wesen der Kunst? Welche Macht hat sie? Was kann sie bewirken? Mit diesen Fragen hat sich Heinrich von Kleist in seiner Novelle „Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“ auseinandergesetzt, und er hat versucht, dichterisch Antwort darauf zu geben.

Kleist, einer der sprachmächtigsten Dichter deutscher Sprache, konfrontiert uns in seiner Erzählung mit einem sprach-jenseitigen, zweiten Bereich der Kunst, nämlich mit der Kunst der Musik, die eine außersprachliche Wirklichkeit schafft, die sich dem Verstehen, im Gegensatz zur Dichtung, weitgehend entzieht.

Schon beim stummen Lesen der Erzählung durchdringen sich diese beiden Kunstformen, die der Dichtung und die der Musik auf geheimnisvolle Weise. Der Leser erhält eine Ahnung davon, warum Kleist bereits im Titel von der „Gewalt der Musik“ spricht, die einen erschreckenden und furchteinflößenden, aber auch tröstenden Charakter annehmen kann.

Vielleicht ist es ja die Stärke seiner Dichtung, dass wir uns die Musik, so wie sie von ihm sprachmächtig beschrieben und gleichsam zum Klingen gebracht wird, vorstellen müssen, da wir sie ja nicht hören können. Was aber geschieht, wenn wir diese Musik, die in seiner Erzählung ja die eigentliche Hauptrolle spielt, gemeinsam mit seiner Dichtung hörbar und somit für ein Publikum auch erlebbar werden lassen?

Ich bin David Franke sehr dankbar, dass er mit seiner großen Improvisationskunst dieses Experiment gemeinsam mit mir unternimmt.

Till Krabbe

Heinrich von Kleist, 1777 als Sohn eines Majors in Frankfurt/Oder geboren, tritt 1792 in die preußische Armee ein, gibt die militärische Laufbahn wenige Jahre später wieder auf. Jurastudium in seiner Heimatstadt, Aufenthalte in Berlin, Paris, der Schweiz und Südfrankreich, später Dresden und wieder Berlin, wo er sich am 21. November 1811 das Leben nimmt.

Dramen (Auswahl): Der zerbrochne Krug (1803-1806), Amphitryon (1807), Penthesilea (1808), Das Käthchen von Heilbronn (1807-1808), Prinz von Homburg (1809-1811).

Erzählungen (Auswahl): Die Marquise von O. (1808), Michael Kohlhaas (1810), Über das Marionettentheater (Aufsatz, 1810), Die Verlobung in St. Domingo (1811).

Dieser Programmpunkt findet wieder am 24. Januar 2021 in der Christuskirche in Freiburg  statt.

Falls Sie „Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“ buchen möchten, fragen Sie mich gerne an!

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